Voyeur und Voyeuse

Danke, unsympathisch starrendes Mercedes-Mädchen, für die Inspiration. 


Das merkwürdig unpersönliche Starren

das doch Intimität herstellt,

der Blick des Reality TV-Fans;

das Gesicht von keiner Emotion gerührt

eine glatte Oberfläche wie Stahl und Eis

die Augen keine Fenster, sondern Kameras,

dahinter bewegt sich nichts,

verbirgt sich

oder ist gar nicht da;

kein Gesichtsschleiher nötig, um sich zu verstecken,

während man sein Gegenüber mit Blicken auszieht.

Es will dich sehen, von Nahem

so genau wie möglich,

kein Detail entgeht ihm;

es will dabei nur nicht gesehen werden,

und vielleicht gibt es ja auch gar nichts zu sehen

vielleicht ist niemand zu Hause

oder Hirn und Herz stehen seit Jahren leer

und niemand will dort wohnen.

Wer weiß?

Erkennen kann man es nicht,

nicht  bevor der Mund aufgeht,

und noch schaut es nur, erforscht, ordnet zu, weidet sich, erkennt –

doch nichts;

die Welt wendet einem nur verschiedene Winkel

des gleichen ausdruckslosen Antlitzes zu,

wenn man sie nicht an sich heranlässt.

Und so glotzen sie einander an,

Welt und Einzelvieh,

baden ineinander, zum Schein,

nichts entsteht

und niemand wird jemals glücklich.

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