Ein Tag mit Nathalie Irène Messerschmidt

Geschrieben mit Jan, dem Macker, I mean – Jan the man!


Um 13 Uhr komme ich an der Wohnung meiner besten Freundin Nathalie Irène Messerschmidt an. Nachdem ich 10 Minuten geklingelt habe, macht sie mir auf, in Boxershorts und sonst nichts an. Die goldblonden Haare hängen in schlaffen Locken um ihren Kopf und verdecken wenigstens den Großteil ihrer Brüste. Wahrscheinlich hat sie sich gestern Abend irgendeine komische Frisur mit Wellen gestylt, normalerweise hat sie glatte Haare, die sie auch deutlich weniger nuttig aussehen lassen. Jetzt klebt ihr der Mascara unter den Augenbrauen und an den Wangen, blauer Lidschatten ist überall in ihrem Gesicht verteilt und irgendwas ist ihr an der Oberlippe.

„Komm rein,“ nuschelt sie, „ich hab schon Kaffee gemacht. Ich meine, gleich werde ich Kaffee gemacht haben.“

Das bedeutet natürlich, dass ich Kaffee machen muss, denn Nathalie fängt, kaum, dass ich in der Wohnung bin an, mir von ihren Eskapaden des letzten Abends zu erzählen. Weißt du, mit dem Typ A habe ich, und dann kam der Typ B und hat deutlich mehr Drinks ausgegeben, und plötzlich, als Typ C den Raum betrat… Jedenfalls bin ich alleine heim, ist doch nicht meine Schuld, wenn die denken, dass sie eine Frau mit ein paar Mojitos kaufen können. Unter einem Long Island und einer Portion Pommes bin ich nicht zu haben.

14 Uhr: Ich habe meinen ersten Kaffee, natürlich selbstgemacht, Nathalie ist langsam betrunken.

15 Uhr: Ich habe meinen zweiten Kaffee, natürlich selbstgemacht, Nathalie ist betrunken.

16 Uhr: Nathalie entscheidet sich, einen Beauty-Day zu machen. Leider ist sie zu betrunken, um die Gesichtsmaske richtig aufzusetzen. „Hilf mir mal das Ding auf mein Gesicht zu setzen. Oh ja, und hohl mir mal den azur Nagellack aus dem Schrank. Du weißt schon, welchen ich meine, den hellen azur, der andere ist kacke.“ Leider wusste ich es nicht.

16.30 Uhr: Fürchte um mein Leben. Azur und azur nicht auseinander halten zu können hat mich in Nathalies Augen degradiert, vom Sklaven zum Gladiator. Warte nur noch darauf, wann sie mich in die Arena zu den Löwen schickt. Momentan läuft sie fluchend im Bad auf und ab, verwünscht mich und meine ganze Sippe, sagt, ich sei ihrer eh noch nie wert gewesen und wirft Lidschatten-Paletten nach mir.

17 Uhr: Natahlie will shoppen. Aber nicht selbst, versteht sich, denn heute ist sie Beauty-Queen und sowieso zu fertig, um vor die Tür zu gehen. Außerdem braucht sie erstmal ihre Ruhe vor Leuten ohne Sehnerven. Also gehe ich los zu H&M, während sie mir einen Link nach dem anderen sendet. „Genau das, olivgrün, Größe S“, „Vergiss das Top, das ich dir geschickt habe, ich BRAUCHE das Kleid hier. In Rot. Und Sushi.“

18 Uhr: Noch immer bin ich im H&M, am Suchen. Noch immer schickt sie mir ihre Nachrichten. Ungefähr fünf in der Minute. Ich habe den Eindruck, ich habe den ganzen Laden durchsucht, um ihren ersten Wunsch zu finden, und jetzt tue ich das Gleiche nochmal für ihren zweiten, und ständig kommt von ihr: „Wo bleibst du?“ „Das kann doch nicht so schwer sein!“ „Das kleine Schwarze mit der Spitze, Mann!“

19 Uhr: Völlig am Ende mit den Nerven.

20 Uhr: H&M macht zu. Ich habe 14 von 150 Wünschen gefunden und bezahlt. Sie wird mich umbringen.

21 Uhr: Ankunft in der Wohnung von Nathalie. „Boa ey, na endlich, warum hat das so lange gedauert.“ Was für eine Begrüßung. Sie beginnt alle Klamotten auf dem Wohnzimmerboden auzubreiten und kritisch zu beäugen. „Das Kleid sieht scheiße aus in rot. Das hättest du dir eigentlich denken können, als du es gesehen hast. Ich meine, willst du, das ich damit vor die Tür gehe? Ich hoffe nicht. Morgen tauschst du es um in ein lachsfarbenes. Und jetzt Sushi.“ Ich merke ich habe das Sushi vergessen und sehe schon das apokalyptische Gewitter ihrer Worte über mich hereinbrechen. „Wie kann man nur so blöd sein. Ich hatte dich um eine Sache gebeten, nur eine Sache, einmal nur das zu tun was ich will. Warum muss es immer mich treffen? Warum habe ich das verdient? Und kannst du mir sagen, wie ich jetzt diesen Abend überstehen soll?“

22 Uhr: Nathalie noch immer am Fluchen.

23 Uhr: Nathalie, fast volltrunken, nimmt eine Nase Koks, ist wieder wach und bereit, mich zu beschimpfen. Tut sie auch. Dann kriegt sie einen halben Nervenanfall und schließt sich im Bad ein.

00 Uhr: Nathalie kommt aus dem Bad, ihre Arme bluten, sie schreit mich an, das wäre alles meine Schuld.

00 Uhr 05: Nathalie zückt ihre Klinge, ein Rasiermesser, und fängt an, sich vor mir in die Oberschenkel zu schneiden. „Konntest du nicht einmal das Richtige tun?“, heult sie. „In dem Kleid sehe ich SCHEISSE aus, eine Katastrophe, man wird sehen, wie FETT ich bin…“ Nathalie wiegt 45 kg. Ich weiß nicht, was ich dazu sagen soll. Sie schneidet weiter an sich rum. „Kannst du nicht EINMAL was sagen?“, brüllt sie. „Ich weiß ehrlich gesagt nicht, was,“ gebe ich zu. „Na gut, dann schneide ich mir jetzt deinen Namen in den Bauch,“ verkündet sie. „S-E-B-A-S-T-I-A-N, wundervoll.“ Und dann lacht sie wie eine Wahnsinnige und fuchtelt mit ihrer Klinge herum. „Komm mir ja nicht zu nah, ich mach dich fertig!“ „Nathalie, ehrlich gesagt, ich weiß nicht,…“ „Bleib mir fern, Schwächling, ich werde der Welt meinen Namen einschreiben, mit BLUT, weißt du was, du kannst mich mal! Mich so zu enttäuschen!“ Sie brüllt weiter Beschimpfungen, Verunglimpfungen, sie ist mehr sie selbst als sonst meistens. „Kein passendes Kleid, kein Ich!“ „Kein Ich, kein Ich!“ „Hör mal, du schimpfst dich mein bester Freund, aber du kannst mir nichtmal das Kleid da besorgen, das passt mir nicht, hast du echt gedacht, ich wäre so fett?!“ Ich, völlig verdattert: „Nathalie, du hast gesagt, du willst das in S…“ „Und hast du mir das geglaubt? Du bist ja so bescheuert, ich hätte nie gedacht, dass du echt so doof bist… Du musst doch sehen, dass mir das zu groß ist!“ Und ich – weiß echt nicht mehr weiter.

01 Uhr: Nach ungefähr einer Stunde Vortrag darüber, dass ich ihr keine Sushi mitgebracht habe, meint Nathalie zu mir: „Wozu die ganze Show, was mache ich mir und dir eigentlich vor – können wir jetzt endlich vögeln, Sebastian?“

01 Uhr 01: Ich befinde mich auf der Straße vor Nathalies Haus, im Dauerlauf, mich entfernend. Ich habe dieses irre Mädchen gerne, aber – nein.

01 Uhr 05: Nathalie ruft mich an und fragt, wo jetzt verflucht nochmal ihre Sushi bleiben. Sie hätte doch wirklich alles getan, um sie zu kriegen. Ich gebe zu, dass das wahr ist und gehe zum nächsten Asiaten.

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