Sherlock Schmalzlocke und das Dienstagabend-Verbrechen

Als ich eine am Fenster rauchen will, sehe ich, dass der Mülleimer an der Bahnhaltestelle gegenüber brennt. Und zwar so richtig – mit dicker Rauchsäule, Flammen, die aus dem Loch oben lodern und dem ganzen Spaß.
Ich bin nicht die Erste, die es mitgekriegt hat: drei Teenager stehen direkt daneben, vor dem Restaurant unter mir stehen ein paar Gäste und der Kellner. Alle stehen sie da, glotzen, halten Maulaffen feil und sind schon ganz geil, weil hier mal was passiert. Ist zwar nur ein brennender Mülleimer und kein Mord, aber man muss nehmen, was man kriegt. Keiner der Schaulustigen scheint auch nur auf die Idee zu kommen, das Teil zu löschen. Dabei wäre es doch wirklich ein Leichtes, sich aus dem Restaurant einen Eimer Wasser zu holen. Ich schaue mir das Ganze kurz an, entscheide, dass wohl wirklich niemand was tun wird und beschließe, der Sache selbst ein Ende zu bereiten: mein Verlobter und ich schnappen uns je eine Flasche Wasser und machen uns auf den Weg.
„Fehlt nur noch, dass einer von den glotzenden Dödeln die Feuerwehr ruft,“ witzle ich.
Als wir uns anschicken, das Wasser in den Mülleimer zu schütten, spricht uns mit wichtiger Stimme und wichtigem Gebaren einer von den Jugendlichen an, ein hochgeschossener Junge mit einer Schmalzlocke, die den Guten auch ohne Worte als Wichtigtuer entlarvt hätte:
„Und wer seid ihr, wenn ich fragen darf?“
Überrascht blicken wir auf, gießen dabei aber weiter Wasser auf das Feuer:
„Diejenigen, die gerade dieses Feuer löschen, das ihr Schlaumeier nur mit großen Augen angegafft habt. Ist wirklich keiner von euch mal auf die Idee gekommen, das selbst zu machen?“
„Nun ja,“ sagt der Junge, der offensichtlich zu viel RTL Verdachtsfälle geschaut hat, „es könnte ja sein, dass ihr was damit zu tun habt.“
„Ja genau, deshalb sind wir hier auch die Einzigen, die was dagegen unternehmen, dass der Mülleimer abfackelt, super kombiniert.“
„Die Polizei ist gleich hier, die wird das dann klären,“ sagt der Junge in einem Ton, den er wahrscheinlich für autoritär hält.
Ich kann es nicht fassen und fange laut an, zu lachen. „Ihr habt wegen einem brennenden Papierkorb die POLIZEI gerufen statt mal einen Löschversuch zu unternehmen? Ganz ehrlich, wie hohl seid ihr?“ (Und vor allem: wenn schon Notruf, warum Polizei?)
„Sei froh, dass wir überhaupt was gemacht haben,“ meldet sich da ein dickes blondes Mädchen mit Nörgelstimme.
Ich muss wieder lachen.
Oh Mann. Was für Intelligenzbestien.
Unsere Flaschen sind leer, allerdings fackelt der Mülleimer noch immer. Die standen wohl schon recht lang daneben, wenn sie also gleich was gemacht hätten, wäre nie so ein Feuer entstanden. Aber egal. Wir drehen uns um, um eine zweite Ladung Wasser zu holen.
„Halt!“, ruft da der wichtigtuerische Junge im Befehlston. „Ihr müsst hier bleiben, um der Polizei gleich Rede und Antwort zu stehen! Die werden euch befragen!“
„Nope, müssen wir nicht,“ sage ich im Weggehen, „und dich geht’s eh einen Scheiß an, was wir machen.“
Also wieder rauf in den zweiten Stock, diesmal gleich einen ganzen Eimer füllen, und wieder runter. Inzwischen ist die Polizei da, und, man glaubt es nicht – die Feuerwehr. Ernsthaft. Mit einem großen Feuerwehrfahrzeug.
Bis die ihren Kram ausgepackt haben, haben wir das Feuer längst gelöscht, denken wir uns, und schütten den Eimer in den Mülleimer.
Hinter mir höre ich Schmalzlocke laut zu einem Polizisten sagen: „Da waren zwei verdächtige Leute mit Wasserflaschen – ah, da sind sie wieder! Diesmal mit Eimer! Die haben wahrscheinlich das Feuer gelegt…“
Mit einem leisen Zischen erlischt das Feuer schließlich.
Ein Feuerwehrmann schaut mir über die Schulter und meint: „Gut gemacht, danke.“
„Kein Problem,“ sage ich und grinse ihn an.
Als wir wieder gehen wollen, stoppen uns zwei Polizisten.
„Wissen Sie, wie das Feuer entstanden ist?“, will einer der beiden wissen.
„Nö, wir haben es nur vom Fenster aus gesehen…“, antwortet mein Verlobter.
„… und weil alle nur dumm rumgestanden und nichts getan haben, dachten wir, löschen wir es halt,“ ergänze ich.
„Alles klar, vielen Dank!“, verabschiedet sich der Polizist.
„Klar doch, gerne,“ sagen wir und gehen winkend davon.
In der Wohnung angekommen, kann ich nicht anders, ich muss nochmal rausschauen, wie’s weiter geht.
Unten stehen die drei nichtsnutzigen Jugendlichen und werden von der Polizei befragt. Schmalzlocke ist sicherlich furchtbar enttäuscht, dass wir „Verdächtigen“ nicht mehr in die Mangel genommen wurden – der Arme. Die Feuerwehr leert den Mülleimer und schaut sich alles kurz an.
Zwei Minuten später fahren sie weg, bald folgt die Polizei. Der Wichtigtuer und die dicke Blonde verschwinden, aufgeregt ihre wohl auch jetzt nicht gerade genialen Gedanken vor sich hin plappernd, Richtung Stadt, der dritte Jugendliche in die andere Richtung.

Braucht zwar ein Mindestmaß an Hirn, aber ich empfehle, kleine Feuer nicht anzuschauen (was nicht wirklich besser dadurch wird, dass man die Polizei ruft), sondern zu löschen.
Sind wirklich so viele Menschen so dermaßen unfähig? Keine Ahnung, wie viele Leute gesehen haben, dass der Papierkorb brennt, aber es waren einige. Von denen hat keiner auch nur Anstalten gemacht, was dagegen zu unternehmen. Obwohl da unten ganz deutlich sichtbar ein Restaurant ist, in dem es bestimmt genug Wasser und auch Flaschen und Eimer gibt. Der Kellner, der sich so gespannt den brennenden Müll angeschaut hat, wird zwar schnell aktiv, wenn es eine junge Frau zu begrabschen gibt (ich spreche leider aus Erfahrung), aber so ein Papierkorb hat nun mal keine Titten und muss deshalb alleine klar kommen. Und die jüngere Generation, repräsentiert durch Schmalzlocke, der mal Sherlock Holmes werden will und seine leider genauso unterbelichteten Kumpels, ruft die Polizei (da sie sagten, sie hätten die Polizei gerufen und die Nummer von Polizei und Feuerwehr unterschiedlich sind, deduziere ich mal, dass es tatsächlich erst die Polizei selbst war, die überhaupt auf die Idee mit der Feuerwehr gekommen sind) und versucht, einen Kriminalfall aus der ganzen Sache zu machen – wahrscheinlich, weil er sich selber für viel zu wichtig hält, um Zeuge eines stinknormalen Unfalls zu sein. Was es höchstwahrscheinlich war. Also im Ernst, wer denkt bei einem brennenden Mülleimer in einer Stadt mit kaum vorhandener Kriminalitätsrate in einem der besten Viertel an ein Verbrechen? Ich weiß nicht, wie oft ich schon Papierkörbe habe brennen sehen, weil jemand seine Zigarette reingeworfen hat, ohne sie ordentlich auszudrücken – was natürlich auch ein bisschen blöd ist, aber definitiv von Schmalzlockes Theorien und der allgemeinen Untätigkeit getoppt wird.
Und wenn dann wenigstens einer was macht, wird er auch noch von den Glotzern angegriffen. Was ist da los? Danke Merkel!

Da sind wohl mal wieder die Gene schuld…

… warum sonst sollte man heutzutage denn dick sein?

4köpfige Familie, alle bis auf den Jüngsten unmäßig fett, betritt das Mc Doof. Ich fange an, ihre Bestellung aufzunehmen.
Schließlich kommen wir zum Jüngsten, vielleicht 8 Jahre alt – wahrscheinlich nicht genug Zeit, um soviel Fett anzusammeln wie der Rest der Familie.
“Was hättest du denn gern?”
“Ein Happy Meal.”
Die Mutter fällt dazwischen: “Unsinn, Happy Meal, da ist viel zu wenig zu Essen drin, da wirste nie satt!”
Verschüchtert bestellt das Kind dann 5 Cheeseburger und eine große Pommes. Geht ja nicht an, dass er seine (noch!) normale Figur behält.

Nennt mich einfach selbstironisch

… denn alles andere als gekonnte Selbstironie wäre wirklich eine gemeine Unterstellung.
Die bereits in “Eine gute Nase muss nicht glücklich machen” vorgestellte Familie hat uns heute ein weiteres Mal heimgesucht.
Der unglaublich fette – nicht nur dick, sondern schon richtig formlos, da quillt es überall raus und hängt runter – sehr unsaubere, extrem stinkende Typ mit den schwärzesten Fingernägeln, die ich im Leben jemals gesehen habe, überraschte heute durch einen Zynismus, den ich bei Menschen seines IQs bisher nicht erlebt habe. Stolz trug er ein – natürlich furchtbar fleckiges, überall durchgeschwitztes und ihm, wie wahrscheinlich alle Klamotten, viel zu kleines – T-Shirt, auf dessen Brust ein fetter Schriftzug prangte:
“Nennt mich einfach nur SEXGOTT”
Wie treffend. Ich glaube, einen passenderen Träger hätte dieses Shirt auf der ganzen Welt nicht finden können. Das Einzige, was mir meine innerlichen Lachkrämpfe ernstlich verdarb, waren die bildlichen Vorstellungen, die sich mir unweigerlich aufdrängten.

Eine gute Nase muss nicht glücklich machen

Die zwei Gäste, die sich vor mir an der Kasse aufbauen, sehen fürchterlich aus. Ihre Haare sind fettig und schuppig, ihre Klamotten ungewaschen, schmuddelig, die fetten, unförmigen Körper platzen aus allen Nähten, und dann die Fingernägel! Ein solches Tiefschwarz habe ich in meinem Leben noch nicht gesehen – komplett über die ganze beachtliche Länge ihrer schartigen Krallen. Aber das alles fiel mir nicht zuerst auf. Zuerst übermannte mich der unglaubliche Gestank, der von beiden ausging. Es roch nach (ich übertreibe hier nicht) monatelanger Duschabstinenz, eine Mischung aus uraltem Schweiß, Hautabrieb, zum Mief gewordenen Körpereigengeruch und einer Menge undefinierbarer, unsagbarer Dinge – scharf, muffig, brechreizerregend.
In meinem Leben habe ich noch keinen so ekelerregenden Geruch vernommen, auch nicht beim Buttersäure-Experiment im Chemieunterricht, nach dem die halbe Schule auf den Pausenhof floh.
Aber der kleine Sohn hatte natürlich blond gefärbte Haare, darauf achtet man dann wieder, das 10jährige Kind muss schließlich hip sein. Ich stellte mir vor, wie die Alte auf einem Elternabend des Kleinen erscheint, worauf sich mir die Frage aufdrängte, wie zur Hölle sich das Kind danach noch in der Schule profilieren soll. Wirklich nicht mehr komisch, so unglaublich asozial kann man doch nicht sein, vor allem nicht, wenn man Verantwortung für Kinder trägt. Ach, ich mit meinen Vorstellungen von der schönen alten Welt. Offensichtlich naiv.
Natürlich hatte die Frau das ganze Portemonnaie voller 50 €-Scheine, gestern wurde nämlich Sozialhilfe ausgezahlt. Einen davon hat sie dann für das Essen für 2 einhalb (sorry, das eine war ein kleines Kind) Personen da gelassen.
Ich habe noch nie so schnell Gäste mit so einer Riesenbestellung fertig bedient. Der Gestank war einfach nicht auszuhalten, solange die da standen, war ich beherrscht von dem Gedanken, diese Leute so weit wie möglich weg von mir zu kriegen. Ein bisschen war ich schon geschockt, was man sich bei uns so alles ansehen muss.

Hier bitteschön. Nicht, dass wer sagt, hier kommt die Sexiness zu kurz!

Wer erzquengel.de liest, könnte leicht den Eindruck bekommen, dass unsere heutige Jugend total verkorkst und durch die Bank einfach unerzogen ist. Dem möchte ich nicht unbedingt widersprechen, auch wenn es selbstverständlich Ausnahmen gibt (wahrscheinlich halten sich kluge, erzogene, gebildete Jugendliche einfach auch nicht den ganzen Tag im Mc auf). Aber aus den schlimmsten dieser Jugendlichen werden irgendwann schlimme Erwachsene, und die sind dann noch schlimmer.
So zum Beispiel 3 Frauen, Alter schwer einschätzbar, da sie unglaublich alt für ihr Alter aussehen, was wahrscheinlich auf übermäßigen Tabak- und Alkoholkonsum zurückzuführen ist. Ihre Körperhaut ist ledrig und unmäßig solariumgebräunt, ihre Augen liegen tief in den Höhlen und sind umgeben von transparenter, pargamentähnlicher Gesichtshaut. Alle drei tragen einfach immer deuuuuutlich zu große Ausschnitte, will heißen, fast bis zum Bauchnabel, die ihre welken, schlaffen Hängetitten fast vollständig enthüllen. Natürlich stinken sie auch. Ansonsten ist ihr Gesamterscheinungsbild eine Mischung aus ungepflegt und hurenmäßig auftetakelt. Sehr hübsch.
Auch sie haben während ihren zahlreichen Mc Donald’s-Besuchen noch nie “hallo”, “bitte”, “danke” o.ä. zu mir gesagt. Gekonnt ignorieren sie auch jede Nettigkeit von mir.
Besonders nervtötend ist ihre Art, Bestellungen aufzugeben. Alle drei hängen sich einem weit entgegen über die Theke, worauf ihre Brüste sich über die Steinplatte ergießen, auf der Essen hin und her gereicht wird – sehr appetitlich. Dann geht es los. Nie sind sie sich vorher einig, was sie essen wollen, immer muss das (egal ob mit Schlange hintendran oder nicht) direkt vor mir ausdiskutiert werden. Laut schreien sie sich alle gegenseitig auf Türkisch in Grund und Boden, sprechen dabei unendlich aufgeregt, schnell, hektisch, spucken durch die Gegend, gestikulieren wie wild – und erwähnte ich schon, dass sie unendlich LAAAUUUT dabei sind? Natürlich kommen sie dabei nie zu einem Ende. Wenn man einmal denkt, jetzt haben sie es geschafft, jetzt bestellen sie, bringt eine einfache Frage wie “Ketchup oder Mayo dazu?” sie wieder komplett aus dem Konzept und führt zum nächsten Speichel- und Wortschwall.
Dabei soll man dann auch noch verstehen, was sie wollen. Zumal sie ihre Bestellung ständig umändern. Bestellen sie also ein Mc Chicken Menü und man wagt es, sie mit einer Frage wie der nach dem Getränk zu verwirren, kann es sein, dass sie dann überhaupt keinen Mc Chicken, geschweige denn irgendein Menü wollen. Was aber nicht an logischen Gründen wie dass ihnen auffällt, dass sie gar kein Getränk wollen, liegt – nein, das Getränk wollen sie, nur dann halt keinen Mc Chicken und kein Menü mehr.
Weiterhin bestellen sie tausend verschiedene Extrasaucen dazu. “Noch 5 Sour Cream!” “Ja, 5 Sour Cream extra…” “Nein, noch 7!” usw. usw.
Ist man sie dann endlich erstmal los oder denkt das zumindest, kommen sie zurück und beschweren sich in einer Tour, dieses oder jenes würde noch fehlen. Nein, das fehlt nicht, das haben Sie gar nicht bestellt… Nein, es WAREN 10 Süß-Sauer-Saucen extra auf dem Tablett, ja 10, nein, sie haben keine 13 bestellt, sehen Sie selbst, hier ist die Quittung….
Natürlich lieben sie Coupons, die ekligen Schnorrer. Aber was es da alles an Fragen zu klären gibt, ist natürlich auch der Wahnsinn.
Zudem wollen sie immer unglaublich viele Tabletts. Wenn sie schon drei haben und man bringt ihnen etwas auf einem vierten, brauchen sie das auch unbedingt noch – obwohl 2 der 3 anderen Tabletts bereits leer und abgeräumt an der Seite liegen.
Wozu sie das brauchen? Natürlich, um extra viel Sauerei anzurichten. Denn sobald sie zu Ende gegegessen und getrunken haben, schmieren sie ihre Tabletts noch mehr ein, als das während dem Essen bereits geschehen ist, zerrupfen den Müll und kleben ihn in die Schmiere von gefühlten 10 000 Saucen und machen sich dann schließlich noch die Mühe, zur Getränkestation zu laufen und ihre 0,5 l-Becher randvoll zu füllen und entweder umgeworfen oder kompliziert abgestellt auf dem Schlachtfeld zu platzieren, das sich auf den Tabletts erstreckt. Die ganze Chose lassen sie dann auf ihren Plätzen stehen und verlassen – natürlich grußlos – das Restaurant.
Na, wer wird schon geil? Ich kann die Damen gerne mal nach ihren Nummern fragen!

Verkaufsgenies bei der Arbeit

Der abgewrackte, faltige alte Typ baut sich mit seinen zwei Söhnen vor mir auf. Sie wollen offensichtlich Eis, denn Sohn 1 nuschelt – nicht in meine Richtung, sondern, als würde er mit seinem Vater reden: “Smarties!”
Sohn 2 schafft sogar 3 Wörter: “n Mc Flurry Kit Kat.”
Der Vater ist nicht so redegewandt wie Sohn 2, von ihm scheint Sohn 1 seine Bestellweise zu haben: “Kit Kat!” ruft er.
Bei der nächsten Eisbestellung an diesem Tag hapert es dann nicht an den Kunden, sondern an der Kollegin.
“Ich hätte gerne 2 Mc Flurrys. Eins mit Magnum Mandel, das zweite…” (Blick zum sehr kleinen Sohn) “Was möchtest du gerne in dein Eis?”
Sohn ist unentschieden. “Hmmm…” macht er mit groooßen Augen.
Ich richte die Worte direkt an ihn. “Wir haben Smarties und Kit Kat…” (Keine Begeisterung von seiner Seite) “…oder ich kann dir eins mit Schokoladensauce machen…” (das Kind kriegt ein dickes Grinsen aufs Gesicht und nickt heftig)
“Also zwei Mc Flurry, einmal mit Magnum Mandel und einmal mit Schokosauce?”, kläre ich mit der Mutter ab.
Die ist einverstanden, ich kassiere ab. “Soll ich dir die Schokosauce verrühren oder oben drüber machen?”, frage ich das Kind.
“Oben drüüber!”
Da kommt die werte Kollegin Tusschen vorbei. “Die wollen kein Mc Flurry mit Schokosauce, die wollen ein Mc Sundae.”
“Nein,” korrigiere ich, “sie wollen ein Mc Flurry.”
“Aber das ist doch das Gleiche, nur der Mc Flurry ist teurer!”, wendet Tusschen ein. Die Frau sollte unbedingt Vertreterin werden.
“Im Mc Flurry ist mehr Eis drin,” versuche ich, in irgendeiner Form vernünftig zu bleiben. Womit ich übrigens ja auch Recht habe.
“Überhaupt nicht wahr, das ist genau das Gleiche, aber der Mc Flurry kostet fast einen Euro mehr,” beharrt Tusschen, natürlich vor der Kundin, die nach dieser Beratung selbstverständlich langsam Zweifel an der Wahl ihres Sohnes kriegt.
“Komm, wir übertippen das jetzt, dann gibst du ein Mc Sundae ein und wir werfen dieses Mc Flurry weg,” ist Tusschen weiter eine große Hilfe. Was sie auch sofort tut. Und der Kundin einen Euro rausgibt, obwohl die Differenz 99 Cent beträgt – klar nur marginal, aber es ist ja auch nur meine Kasse, die nachher nicht stimmt.
Ich bleibe zurück, leicht genervt, und frage mich, ob ich eigentlich die Einzige in dem Laden bin, die an das geldliche Wohl des Restaurants denkt und nicht an das der Kunden. Ich dachte, das wäre eine Standardeinstellung von Leuten, die etwas verkaufen wollen – ob das nun Burger sind oder Laptops oder Versicherungen.

Knigge? War das nicht der Wichser mit dem äh, äääh…?

Manche Gäste überschreiten die Schwelle des Dreistseins gerne mal, um die hohe Stufe des Unverschämtseins zu erklimmen. So auch ein unglaublich asoziales Ehepaar, die man eigentlich mal gesehen haben müsste, da ihrem Erscheinungsbild keine Beschreibung gerecht werden kann.
Er ist mehr so der Rockertyp, ungewaschen und eklig, abgeranzte Klamotten. Sie ist alt, unglaublich geschminkt, trägt gerne einen Trenchcoat zu den typischen Unterschichtklamotten (weites, altes Sweatshirt, speckige Hose) und hat eine ganz merkwürdige Kurzhaar”frisur”. Was die Frisur angeht, könnte sie glatt mit Octopissy einen “wer wurde am meisten zerschnitten”-Wettbewerb starten. Wenn sich beide Damen nicht selbst die Haare schneiden, danach sieht es nämlich am ehesten noch aus.
Coupons sei Dank, bestellt er auf die nette Weise: Wortlos hält er mir die zwei Papierfetzen entgegen.
“Welche Sauce hätten Sie da gerne zu den Nuggets?”, frage ich ihn.
“WAS?”, bellt er mich an, in einem Ton, der vermuten lässt, dass er gerade eine üble Beleidigung statt meiner Frage verstanden hat.
“Welche Sauce Sie gerne zu den Nuggets hätten!”, antworte ich etwas lauter. Irgendwie kriegt die Unterschicht es ja auch nicht hin, sich mal in gemäßigtem Ton zu unterhalten. Fragt sich, wo da das Huhn und wo das Ei war – sind sie alle schwerhörig, weil alle ihre Freunde so brüllen und müssen jetzt selbst brüllen? Oder haben sie von Anfang an gebrüllt, ihre Freunde in die Taubheit getrieben? Sind sie einfach auf dem Säuglingsstadium stehen geblieben, wo die  Akzeptanz und Beachtung eines “WÄÄÄÄÄÄÄÄÄÄÄÄÄÄH!!!” mit der Lautstärke steigt, in der es vorgebracht wird?
Er mault mir seinen Saucenwunsch entgegen. Tatsächlich kriege ich auch noch heraus, ob er Ketchup oder Mayo möchte und welches Getränk er dazu favorisiert. Dennoch, eine schwere Geburt.
Ich stelle alle “bestellten” – bzw. mir auf einem Papierfetzen ins Gesicht gehaltenen – Speisen auf ein Tablett.
“Da ist ein Becher zu wenig drauf!”, schreit er mich an.
“Nein, das stimmt schon so, so haben Sie es bestellt. Hätten Sie denn gerne noch einen Becher?”
“Hab ich gar nicht so bestellt! Ich will zwei Menüs!”
“Sehen Sie,” erkläre ich ruhig, wobei ich ihm die zwei Coupons vor die Nase halte, die er mir zuvor vor die meinige gehalten hat, “ein Menü-Coupon und ein Buy-One-Get-One-Free-Coupon.”
“WASN SCHEIß!” wütet er weiter.
“Hätten Sie denn gerne noch ein Getränk?”
“NEIIIIN!”
“Ok, dann werde ich Ihnen den fehlenden Big Mac an den Platz bringen. Ich wünsche bis dahin einen guten Appetit.”
Er zieht von dannen, seine hässliche Alte im Schlepptau.
Ich sehe, dass die zwei Chickenburger da sind, die ich noch einem anderen Gast rausbringen muss, schnappe sie mir, lade sie auf ein Tablett und mache mich auf die Suche nach diesem anderen Gast.
Tatsächlich erblicke ich ihn auch sofort, einen Platz hinter dem, auf dem das eklige Ehepaar sich installiert hat. Ich laufe zu ihm hin. Als ich am Platz des Ehepaars vorbeikomme, höre ich, wie sie anfangen, sich zu unterhalten.
“Kannst du sehen, was da auf dem Tablett drauf ist?”, fragt die Alte den Assi. Ich kümmere mich nicht weiter darum, ich weiß ja, was zu wem muss, und laufe weiter.
Plötzlich eine keifende Stimme, schon wieder von dem furchtbaren Typen.
“STEHEN BLEIBEN! WAS IST DA AUF DEM TABLETT????”
“Nichts für Sie zumindest, deshalb braucht Sie das gar nicht zu interessieren,” antworte ich so liebenswürdig wie möglich und gehe weiter.
Als ich dann schließlich den beiden ihren Big Mac an den Platz bringe und noch einen guten Appetit wünsche, antwortet der Mann mit einem Grunzlaut, wie ich ihn von einem Menschen noch nicht so vernommen habe.
Wirklich zauberhaft, die Beiden!

Die richtige Fastfood-Bestellung

Das Tollste an Coupons ist, dass sie ohnehin schon sprechfaulen Menschen das Leben jetzt noch mehr erleichtern.
Wer früher daher kam und auf ein geträllertes “Guten Taaag!” des Mc-Donald’s-Mitarbeiters mit einem minimalistischen “ZwoCheeese” antwortete, der wird Coupons lieben. Denn jetzt geht das Ganze noch einfacher, noch knigge-ferner, noch kürzer und noch karger.
Denn nun kann man auf das geträllerte “Guuuten Tag!” nonverbal antworten. Keine lästige Zungenakrobatik mehr, das braucht sowieso kein Mensch. Schieben Sie einfach wortlos den richtigen Coupon rüber und ignorieren Sie den Mc Donald’s-Mitarbeiter dabei vollständig. Coupons machen’s möglich. Mussten Sie früher lästigerweise noch mit diesem minderwertigen “Menschen” reden, um ihm klar zu machen, was Sie gerne essen würden, so entfällt das heutzutage zum Glück vollständig. Kein einziges Wort müssen Sie mehr an ihn richten!
Ist der Mc-Mitarbeiter dann unverschämt genug, Sie zur Konversation zwingen zu wollen, indem er provozierende und nervenaufreibende Fragen wie “Zu den Pommes Ketchup oder Mayo?” oder “Was für ein Getränk hätten Sie gerne dazu?” stellt, wird Ihnen niemand verübeln, wenn Sie ihrem Missmut über soviel Dreistigkeit freien Lauf lassen. Antworten Sie deshalb immer Dinge wie: “MAYOOOO NATÜÜÜRLICH!” oder “Warum fragt ihr mich eigentlich immer nach dem Getränk, wenn’s eh wurscht ist und ich mir an der Getränkestation holen kann, was ich will?” Dabei verdrehen Sie wie wild die Augen und verdeutlichen so dem Mitarbeiter vor Ihnen, wie genervt Sie von seinen Fragen sind und wie sinnlos offensiv Sie diese finden.
Wenn Sie es richtig machen, wird Sie das nächste Mal keiner dieser Untermenschen mehr ansprechen und Sie können in Ruhe Ihre nonverbale Bestellung aufgeben, ohne mit irgend jemandem unnütz in Berührung zu kommen. Na dann: Guten Appetit!

Demolition Derby Spielplatz

Gutgelaunt parke ich mein Auto, ziehe die Handbremse, steige aus, schließe ab. Endlich Wochenende!
Total entspannt schultere ich meine Tasche und beginne den Weg zu meiner Wohnung. Plötzlich taucht eine Kinderschar vor mir auf – alle etwa 3-6 Jahre alt, bewaffnet mit Tretrollern, Dreirädern u.ä. Gerät. Bei ihnen eine Frau, wohl die Mutter zumindest eines Teils der kleinen, plärrenden Terroristen. Um Aufmerksamkeit schreiend sammelt die Tuss die Kinder um sich.
“Geht ruhig auf den Parkplatz spielen,” meint sie dann, “ich gehe dann heim!”
WTF?!
Panik steigt in mir auf. Währenddessen machen sich die Kleinen hocherfreut und voller Begeisterung auf zu ihrem “Spielplatz”. Die Mutter dreht sich um und geht friedlich nach Hause, wahrscheinlich froh, die Blagen endlich los zu sein.
Das kann doch nicht wahr sein. Als würde es hier nicht genug Spielplätze geben – nichtmal 5 Minuten vom Parkplatz entfernt z.B. einen. Aber hey, es geht hier um die freie Entfaltung der Persönlichkeit, wer sollte da was dagegen haben, dass die kleinen Chaoten, die schon mit Erziehungsberechtiger im Schlepptau außer Rand und Band waren, dann ohne Aufsicht auf dem Parkplatz spielen gehen? Kann ja nix kaputt gehen bei. Und die Mutter hat endlich mal wieder einen freien Nachmittag.
Jeder glückliche Autobesitzer wird meine heimlichen Wünsche verstehen können, die Frau wenn nötig mit Gewalt dazu zu zwingen, ihre Terrorbande zurückzurufen. Aber brav, wie man dann ist (man darf sich heutzutage ja auch nicht mehr als Kinderhasser outen, ohne gleich auf die Pädo-Verdächtigenliste zu kommen) geht man einfach heim und betet leise bei sich zu dem Gott, an den man nicht glaubt, der Lack werde verschont bleiben.
Wenn dieses Auto verkratzt oder verdellt ist, wenn ich morgen wieder zum Parkplatz komme…! Kein Wunder, dass die Geburtenraten zurückgehen, diesen Stress erträgt doch kein Mensch dauerhaft.

Das Trampeln der Gazellen

Studenten sind einfach eine Plage. Der stete Alkohol- und Drogenmissbrauch sowie die unzumutbar hohe soziale Integrität führen zu Nachtaktivität und dauerndem Lärm. Jeden Abend wird gesoffen, mit mindestens fünf anderen unerträglichen jungen Menschen, die sich selbst für die Elite des Landes halten. Dabei geht es hoch her in den Wohnungen derer, in die wir unsere Hoffnungen für eine bessere Zukunft legen. Die Freunde machen Krawall, schreien unter Alkoholeinfluss nur herum, reißen alle Fenster auf, um die ganze Stadt an ihrer Party teilhaben zu lassen, drehen natürlich die Musik voll auf und reagieren dann noch unverschämt auf die selbstverständlich zurecht herbeigerufene Polizei. Man hört von Jurastudenten, die den Beamten mit extra dicken Gesetzesbüchern unterm Arm – z.B. dem OrdnungswidrigkeitenG – die Tür öffnen, um dann hämisch zu verkünden, sie wären gerade dabei, für ihr Staatsexamen zu lernen. Was für eine Frechheit.
Auch ich gehöre – wie Sie, werte Leser, bestimmt bemerkt haben *wichtig räusper* – zu dieser unerträglichen Gattung Mensch, bin laut und führe ein schier untragbares Leben.
Da ich aber kein OrdnungswidrigkeitenG besitze, habe ich furchtbare Angst davor, die Polizei könnte wegen Ruhestörungen meinerseits gerufen werden. Zum Glück gibt es einen Plan B – guter, deutscher Bürger sein.
So habe ich in meiner Wohnung noch keine einzige Party gefeiert, hatte nie Besuch von mehr als vier Leuten gleichzeitig, hatte noch nie mehr als zwei unter Alkoholeinfluss stehende Leute gleichzeitig in der Bude, schließe abends die Fenster, höre so gut wie nie abends oder gar nachts Musik, laufe nicht mit Stöckelschuhen in der Wohnung herum, wasche meine Wäsche tagsüber, gehe zumindest zu Hause nur ruhigen Hobbys wie lesen und ab und an mal einen Film gucken nach. Natürlich nicht freiwillig, aber meine Nachbarn sind ganz klare Verfechter des 30er-Jahre-”Zucht und Ordnung”-Prinzips, und so muss man sich als guter Deutscher eben fügen.
Nach der ersten Beschwerde, wie laut ich doch sei, ließ ich vom abendlichen Musikhören ab.
Nach der zweiten Beschwerde, wie laut ich doch sei, ließ ich davon ab, mit offenem Fenster lauter zu reden.
Nach der dritten Beschwerde, wie laut ich doch sei, ließ ich davon ab, mit offenem Fenster zu reden.
Nach der vierten Beschwerde, wie laut ich doch sei, lief ich nur noch mit Socken oder Hausschuhen in der Wohnung herum.
Nach der fünften Beschwerde, wie laut ich doch sei, fing ich an, Gäste zum Ruhigsein zu ermahnen – wenn sie auf Zimmerlautstärke bei gekipptem Fenster sprachen oder mit nicht ganz aufgedrehten Laptoplautsprechern ein Video guckten.
Aber immernoch bin ich offensichtlich – “zu laut”. Leider wurde mir keine klarere Spezifikation des Problems vorgetragen. Leider wurde mir sowieso nichts vorgetragen, sondern nur meinem Vermieter. Treffe ich meine Nachbarn auf der Straße, werde ich freundlich bis herzlich gegrüßt, natürlich aber nie darauf hingewiesen, dass letzte Nacht wohl ein bisschen zuviel Lärm bei mir gewesen wäre. Die lieben Deutschen, so nett und immer so sozial adäquat! Einfach herrlich. Wahrscheinlich wären 90 % unserer Bevölkerung dazu in der Lage, jemandem eine Kugel in den Rücken zu schießen, solange sie dabei im weit entfernten Gebüsch liegen; aber nichtmal 10 % würden es hinkriegen, jemandem offen und ungeschützt gegenüber zu treten und diesem auch nur eine leichte Kritik ins Gesicht zu sagen. Klar, warum auch, führt ja alles nur zu Streit. Und dieses Denunziantentum funktioniert ja nun auch nicht erst seit den Tagen von Anne Frank und Co. (oooh, schon wieder die Nazikeule –  selbstverständlich nehme ich die Schuld dafür allein auf mich und ziehe mit keinem Wort in Erwägung, dass sich an unserer Gesellschaft einiges wohl nie ändern wird…).
Seit ich mich nun also nur noch flüsternd, auf Zehenspitzen laufend, keinen Besuch empfangend, Musik durch schön stille Bücher ersetzend durch meine Wohnung bewege, gehen mir nicht nur die Ideen aus, wo ich jetzt noch etwas leiser sein könnte, sondern auch die Reue über meinen schlimmen Studentenlebensstil. Immer mehr freue ich mich auf meinen Umzug, bei dem mir vielleicht, natürlich rein versehentlich, einige Dinge herunter-, um- oder irgendwo gegen fallen, und die Möbelpacker, natürlich nicht von mir instruiert, im Treppenhaus pfeifen könnten. Nein, Spaaaaß. Ich bringe einfach eine weitere Schicht Schallisolierung an…